Themenwelt „Dinosaurier“

Die Trossinger Schulkinder hatten 1909 eine Rutschbahn an einem Hang aus Knollenmergel unweit der Oberen Mühle gebaut. Der Schüler Hermann Weiss riss sich beim Rutschen dabei seine Hose auf. Als die Kinder genau nachschauten, entdeckten sie mehrere Knochen, die aus dem verwitterten Gestein herausragten.

Den größten Knochen brachten sie ihrem Lehrer Gottlob Munz. Dieser erkannte, dass der Knochen nicht von einem heimischen Tier stammen konnte und schickte ihn nach Stuttgart an das Königliche Naturalienkabinett, den Vorgänger des heutigen Staatlichen Museums für Naturkunde.

In dessen Auftrag grub Prof. Eberhard Fraas 1911 / 1912 an der Fundstätte und entdeckte einen kompletten „vorsintflutlichen“ Saurier, einen Plateosaurus engelhardti, der im Stuttgarter Naturalienkabinett aufgebaut und ausgestellt wurde.

1923/1924 war es dann die Universität Tübingen, die eine neue Grabung durch den berühmten Paläontologen Prof. Friedrich Freiherr von Huene durchführen ließ. Um die Kosten zu minimieren, wurde die Grabung in Zusammenarbeit mit dem American Museum of Natural History in New York durchgeführt und eine Fundteilung vereinbart.

Am 1. September 2010 begann die erste Grabungskampagne des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart unter der Leitung von Dr. Rainer Schoch. Die Jahre zuvor dienten Sondierungsgrabungen zum besseren Verständnis des bisherigen Grabungsprofils. Unterstützt durch die Praparatoren Isabel Rosin und Norbert Adorf, begann die Grabung auf der oberen Ebene der Rutschete großflächig und sehr schnell recht vielversprechend. Bereits am ersten Tag entdeckten die Forscher den vollständigen Fuß eines Plateosauriers. Tags darauf, am 2. September 2010, entdeckten die Stuttgarter Forscher dann einen kompletten Plateosaurus von etwa acht Metern Länge, der vor 212 Millionen Jahren in den Schlamm eingesunken und so verendet war. In vierwöchiger Arbeit wurde der Gigant in einzelnen Blöcken geborgen und danach in Stuttgart präpariert. Ist dies geschafft, wird dann die Saurierausstellung des Museums Auberlehaus seine neue Heimat.

Die größte Saurierausstellung zwischen Zürich und Stuttgart! Und das mit Fug und Recht, denn immerhin ist Trossingen die größte Saurierfundstelle aus dem Trias weltweit. Bei einer Zeitreise durch das Erdmittelalter begegnen Sie aber nicht nur dem Trossinger Plateosaurus engelhardti, dem Urahn aller Riesendinos, sondern Sie überqueren die Sümpfe des Lettenkeupers, tauchen ein in das Urmeer des Jura und blicken dem gewaltigen Tyrannosaurus rex in die Augen. Eine Ausstellung, die hervorragende Exponate spannend und eindrücklich präsentiert.

Der Plateosaurus engelhardti ist einer der ersten Prosauropoden – einer der Vorläufer der späteren, riesigen Langhalssaurier. Sie lebten in Herden in der Obertrias vor rund 212 Millionen Jahren und waren reine Pflanzenfresser. Nach neuesten Forschungsergebnissen war Plateosaurus Biped, also zweibeinig. Die große Kralle an der Hand diente vermutlich der Verteidigung. Beim Betrachten des Gebisses fällt auf, dass spatelförmige Zähne ähnlich einem Sägemesser aneinandergereiht sind. Dies half bei der Nahrungsaufnahme und -zerkleinerung von Cycadeenfrüchten und anderer pflanzlicher Nahrung. Die alte Theorie eines Aasfressers darf als überholt gelten.

Die Tiere waren zwischen vier und zehn Metern lang und hatten ein Gewicht von etwa 600kg bis vier Tonnen. Eine Altersbestimmung ist durch eine Bohrkernentnahme der Knochen möglich. Ähnlich den Jahresringen bei Bäumen, lassen sich die Wachstumsringe Jahren zuordnen. Demnach konnten Plateosaurier ein maximales Alter von rund 25 Jahren erreichen.