Der Trossinger Dinosaurierfriedhof

Die Trossinger Schulkinder hatten 1909 eine Rutschbahn an einem Hang aus Knollenmergel unweit der Oberen Mühle gebaut. Der Schüler Hermann Weiss riss sich beim Rutschen dabei seine Hose auf. Als die Kinder genau nachschauten, entdeckten sie mehrere Knochen, die aus dem verwitterten Gestein herausragten. Den größten Knochen brachten sie ihrem Lehrer Gottlob Munz. Dieser erkannte, dass der Knochen nicht von einem heimischen Tier stammen konnte und schickte ihn nach Stuttgart an das Königliche Naturalienkabinett, den Vorgänger des heutigen Staatlichen Museums für Naturkunde. In dessen Auftrag grub Prof. Eberhard Fraas 1911 / 1912 an der Fundstätte und entdeckte einen kompletten ?vorsintflutlichen? Saurier, einen Plateosaurus engelhardti, der im Stuttgarter Naturalienkabinett aufgebaut und ausgestellt wurde.
 
1923/1924 war es dann die Universität Tübingen, die eine neue Grabung durch den berühmten Paläontologen Prof. Friedrich Freiherr von Huene durchführen ließ. Um die Kosten zu minimieren, wurde die Grabung in Zusammenarbeit mit dem American Museum of Natural History in New York durchgeführt und eine Fundteilung vereinbart.
 
Erneut gegraben wurde dann 1932 ? 1934, wieder durch das Naturkundemuseum Stuttgart und Reinhold Seemann. Diese Grabung war die erfolgreichste und wurde wesentlich durch die Trossinger Harmonikafabrikanten unterstützt. Das Grabungsteam setzte sich vor allem aus Freiwilligen zusammen, die angesichts der schwierigen Wirtschaftslage zum Beispiel mit neuen Stiefeln bezahlt wurden. Neben den bereits bekannten Sauriern fand Seemann und sein Team auch die bislang ältesten und vollständigsten Schildkröten der Welt, die Proganochelys quenstedti. Im letzten Grabungsjahr kam es kurz vor Ende der Kampagne zu einem Erdrutsch, bei dem zwei Arbeiter verschüttet wurden, wovon einer seinen inneren Verletzungen noch an der Unfallstelle erlag.
 
Insgesamt wurden 50 Skelettreste von Plateosauriern und 3 Schildkröten an der ?Rutschete? entdeckt. Leider ging ein großer Teil des unpräparierten Materials während eines Bombenangriffs auf Stuttgart für immer verloren. Dennoch gilt Trossingen als größte Saurierfundstätte aus der Trias weltweit.
 
Nach dem II. Weltkrieg diente die Fundstätte als Schießstand für die französischen Beatzungstruppen und wurde in den 1950er Jahren aufgeforstet.
 Warum genau so viele Plateosaurier in Trossingen gefunden werden ist noch nicht eindeutig geklärt, derzeitige Grabungen des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart versuchen hier neue Erkenntnisse zu erbringen. Da die Saurier über eine Höhe von 14 Metern an der Rutschete übereinander zu finden sind, darf davon ausgegangen werden, dass an dieser Stelle ein Schlammloch war, in welches die schweren Tiere eingesunken sind. Auch nach dem Versiegen dieses Schlammloches scheinen immer wieder Tiere hier entlang gekommen zu sein, ähnlich einem Wildwechsel in der sehr trockenen (ariden) Landschaft. Dabei wurden durch Unwetter immer wieder Kadaver hier eingeschwemmt oder versanken erneut in einer kleinen Wasserstelle. 
Seit September 2007 gräbt ein Team des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart unter der Leitung von Dr. Rainer Schoch wieder an der weltweit legendären ?Trossinger Rutschete?. Die Grabung wurde unter anderem durch die Initiative des Arbeits- und Förderkreises Trossinger Heimatmuseum nach 75 Jahren wieder ermöglicht.

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